Vom Flüchtling zum Herzchirurgen

Vom Flüchtling zum Herz-Chirurgen
 
 
Zwei Tage lang war der Herz-Chirurg Dr. Umeswaran Arunagirinathan zu Gast in Taufkirchen. Zwei Tage, in denen er vielen Menschen von seiner unglaublichen Lebensgeschichte erzählte, seiner Flucht aus Sri Lanka mit gerade einmal zwölf Jahren.  Seine Mutter war es, die beschlossen hatte, ihren Sohn in Sicherheit zu bringen, ebenso vor dem Bürgerkrieg, der zwischen den Regierungstruppen und den Tamilen tobte, wie auch vor den so genannten „Tamil Tigers“, die Jungs in seinem Alter bereits für ihre Kampftruppen rekrutierten. Der Weg führte ihn über viele Umwege zu seinem Onkel nach Hamburg, wo er sich schnell in einem völlig neuen Kontext zurecht finden musste. Er wollte fleißig sein, Abitur machen und Medizin studieren, denn der Tod seiner kleinen Schwester hatte bereits früh den Wunsch in ihm entstehen lassen, Arzt zu werden. 
Sein Glaube an das Gute im Menschen ist so groß wie sein Lächeln breit. Trotz vieler schlechter Erfahrungen bleibt er freundlich, sucht das Gespräch, das er mit unverkennbar hamburgerischem Dialekt führt. Hamburg ist sein Zuhause, seine Heimat, daraus macht er keinen Hehl.  Derzeit arbeitet er in Bad Neustadt in der Herzklinik, auch dort trifft er immer wieder auf, um es freundlich zu formulieren, „Skeptiker“, die ihm seine Kompetenz nicht recht abnehmen wollen. „Dr. Umes“, wie er sich selbst nennt, denn sein Nachname ist für die meisten schier unaussprechlich, versucht die Zweifler mit seiner freundlichen und ruhigen Art zu überzeugen, lächelt, wenn andere schon längst toben würden. Er spricht von sich ganz selbstverständlich als Deutschen, den deutschen Pass hat er schon lange, aber auch im Herzen ist Deutschland zu seiner wahren Heimat geworden: Ein Land, das ihm so viele Möglichkeiten geboten hat, die ihm in Sri Lanka verwehrt geblieben wären. Seine ursprüngliche Heimat, die er nach Jahrzehnten wieder einmal bereist hat, ist ihm fremd geworden. Das Festhalten an alten Traditionen wie dem Kastenwesen ist ihm unverständlich. Seine Eltern sind stolz auf ihn, den Arzt in der Familie. Ein großer Wunsch ist damit für sie in Erfüllung gegangen. Einen anderen kann er ihnen allerdings nicht erfüllen, denn heiraten und Kinder bekommen will er nicht. Dr. Umeswaran Arunagirinathan bekennt sich hier ganz offen zu seiner Homosexualität, in seiner Heimat würde er das nie tun, er würde damit seinen Eltern das Herz brechen, sagt er. Auch hier musste Dr. Umeswaran Arunagirinathan in seiner Jugend vieles Erdulden um sich seinen Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen. Er tut das mit einer Gelassenheit und einer Freundlichkeit die entwaffnend ist. Über seinen Weg hat er zwei Bücher geschrieben. „Der fremde Deutsche – Leben zwischen den Kulturen“ und „Allein auf der Flucht: Wie ein tamilische Junge nach Deutschland kam“. Beide Bücher stellte er nun in Taufkirchen vor. Zum einen in der Realschule Taufkirchen und dann noch bei einem Abend in der vhs. Ganz unterschiedliches Publikum, gleiche Resonanz: Überwältigende Sympathie mit diesem Menschen, der sein Schicksal immer in die Hand genommen und für seinen Platz gekämpft hat. „Es war eine ganz tolle Erfahrung hier in Taufkirchen zu lesen. Es hat großen Spaß gemacht mit den Schülern zu diskutieren und ihre Fragen zu beantworten. Aber auch der Abend in der vhs war wunderbar“, erklärte Dr. Umeswaran Arunagirinathan voller Begeisterung. Er war der Einladung der vhs-Leitung Silvia Engelhardt gefolgt, die ein Interview mit ihm im Radio gehört hatte und spontan neugierig auf diesen Ausnahme
Menschen geworden war. Bald wird sich Umeswaran Arunagirinathan an sein drittes Buch machen, dieses Mal dreht es sich allerdings um eine Auseinandersetzung mit der modernen Medizin. Zum Schreiben mietet er sich übrigens immer in einer Hütte am Tegernsee ein. Ein wunderbarer Ort um ihn Ruhe zu arbeiten und zu schreiben, urteilt der Hamburger. 
 
© Text: Heike Woschée Bilder: Heike Woschée Bildrechte: © vhs Taufkirchen 


 

Zurück